Christian Krumm

Heavy Metal und das Schreiben – zwei Dinge, die mein Leben seit über zwanzig Jahren lebenswert machen, haben sich im Jahr 2009 endlich gefunden, als mir mein ehemaliger Unikollege Holger Schmenk in bierseliger Laune vorschlug, mit ihm ein Buch über Heavy Metal im Ruhrpott zu machen. Daraus entstand „Kumpels in Kutten. Heavy Metal im Ruhrgebiet“ und es war eine wunderbare Reise mit vielen lohnenswerten Bekanntschaften. Etwa eineinhalb Jahre später folgte „Do It Yourself. Die Geschichte eines Labels“ über die Plattenfirma Century Media. Als Hobbymusiker schwebte mir schon länger vor, einmal herauszufinden, was Band und Firma zusammenbringt und wie es abgeht, wenn sie dann tatsächlich erfolgreich sind. Dieses Buch war die einmalige Möglichkeit dazu und ich glaube, niemand, der etwas darüber erfahren will, wird enttäuscht sein.

Vor diesen glücklichen Entwicklungen standen ein paar Jahre Arbeit in der geschlossenen Psychiatrie, das Geschichtsstudium und die Doktorarbeit, in der ich mich mit der Meinung eines niederländischen Historikers und Zeitzeugen über die Ereignisse in Deutschland zwischen 1871 und 1945 auseinandergesetzt habe. Gerade das hat mir zum Thema Nationalsozialismus – so abgedroschen es auch zuweilen scheinen mag – einige neue Erkenntnisse beschert, die diese Geisteshaltung nicht weniger verabscheuungswürdig machen, sondern mir vielmehr die Notwendigkeit aufgezeigt haben, sich wirklich eingehend mit dem Thema auseinanderzusetzen. Oder anders ausgedrückt: Wer über Scheiße sprechen will, muss auch den Mut haben, hineinzupacken.

Aber zurück zu den erfreulichen Themen: Heavy Metal. Mein Einstieg mit 14 Jahren waren definitiv Guns ´n´ Roses mit ihren „Illusions“-Alben, doch ziemlich schnell folgten Iron Maiden, Slayer, Paradise Lost, Tiamat, Sodom, Savatage und natürlich, als gebürtiger Krefelder, Blind Guardian, um nur einige aufzuzählen. Die Matte wurde länger und selbst als ich auch andere Musikrichtungen für mich entdeckt hatte, ließ ich sie dran. Denn die Haare als Ausdruck gegen aufgezwungene Anpassung waren mir sehr wichtig und haben sich auch bis in das Jahr 2011 nicht verändert. Mit 34 Jahren musste ich dann einsehen, dass die Zeit der gnadenloseste Friseur ist, aber immerhin sind mir noch zwei Mittelfinger geblieben, um über gewisse Dinge meine Meinung zu äußern.

Inzwischen gebe ich hauptberuflich Schreibunterricht an der Universität Duisburg-Essen und arbeite zudem daran, ein Buchprojekt nach dem anderen, das mir so im Kopf herumgeht, in die Tat umzusetzen. Heavy Metal als Romanstoff empfinde ich als einen äußerst reizvollen Gedanken und so beschäftige ich mich seit der Fertigstellung von „Do It Yourself“ damit, die Möglichkeiten dazu auszuloten. Schließlich bedeutet es für so Viele, die in der Szene sind, sehr viel mehr als nur Sex, Drugs and Rock `n` Roll und dieses Gefühl in einer Geschichte einzufangen, ist mein nächstes großes Ziel.

Zum Schluss vielleicht noch ein paar andere „Dinge“, für die es sich meiner Ansicht nach lohnt, immer wieder wach zu werden: Dream Theater, Genesis, Dire Straits, Devin Townsend, Element of Crime, Kaffee, Kippen, Fußball gucken, über schwergewichtigen Quatsch philosophieren, Unterrichten, Yoga, neue Leute kennen lernen, alte Freunde wiedersehen, spazieren und grübeln, am Tresen sitzen und grübeln, geile Konzerte, Schlagzeug spielen, Michael Ende, Winnie The Pooh, Umberto Eco, Milan Kundera, Michael Bulgakov, Anton Tschechow, Al Bundy, Lisa Simpson, Sheldon Cooper, Luna Lovegood, Columbo, Adrian Monk und nicht zuletzt alle Menschen, die auf ihre eigene, liebenswerte Art ein ganz klein wenig verpeilt sind.

Enjoying life is hard work, but it pays a thousandfold!

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